Nsima, fodya und shava - Maisbrei, Tabak und Erdnüsse,
die Landwirtschaft in Malawi
Projekte in der Region um Kapiri

Es gibt zwei Projekte, die in der unmittelbaren Region um das Krankenhaus Kapiri die Ernährungssituation der Bevölkerung durch die Unterstützung der Landwirtschaft verbesssern: das Abwenzi-Projekt, und das sogenanntes "field-project" von der irischen Entwicklungshilfeorganisation Concern Worldwide (www.concern.ie). Beide Projekte sind an den Bedürfnissen der Bevölkerung ausgerichtet und werden vor Ort in Zusamenarbeit mit dieser durchgeführt. Dies ist auch der Grund für den Erfolg und Fortschritt, der im Bereich der Ernährungssicherung erreicht werden konnte.

Abwenzi - Freunde

Gegründet wurde das Abwenzi-Projekt im Jahr 2002. Ursache war die starke Hungersnot die dem Ausfall der Regenfälle im Jahr 2001 gefolgt war. Die Krankenhausleitung entschloß sich mit Hilfe des spanischen Agraringenieurs ...., welcher bereits in Südafrika gearbeitet hatte, ein Projekt zu entwickeln, welches in Zukunft Hungersnöte von einem solchen Ausmnaß verhindern sollte. Sie nannten das Projekt "Abwenzi", das Chichewa für "Freunde".In dieser Bezeichnung spiegelt sich erneut die Art der Beziehung zwischen den Weißen und den Einheimischen von Kapiri wider.

Ziel des Abwenzi-Projekts ist die Nahrungssicherung. 250 Subsistenzlandwirte, sogenannte "beneficiaries" wurden für die Teilnahme am Projekt ausgewählt. Darunter befinden sich vor allem Menschen, die es schwerer haben, sich aus eigener Kraft ausreichend zu ernähren und die stärker von Dürren betroffen sind: Alleinerziehende Mütter, kranke oder alte Menschen. Diese erhalten zu Beginn der Regenzeit kostenlos15 kg Maissaatgut und 10 kg Saat von Buschbohnen sowie Mineraldünger. Das Saatgut stammt von hochwertigen Sorten, die bei entsprechender Düngung mehr Ertrag bringen als alte einheimische Sorten.

Vier vom Krankenhaus eingestellte Landwirtschaftsberater betreuen die Beneficiaries, kontrollieren aber auch, daß das Saatgut gesät und nicht zu Essen verarbeitet wurde, wie es einige Mals schon vorgekommen ist. Die Felder werden regelmäßig besucht, und der Ertrag eines jeden Landwirtes aufgrund geschätzt. Eine je nach Wachstumsbedingungen jährlich neu festgestze Menge der Enrnte muß an das Krankenhaus abgegeben werden. Ein Teil davon wird verkauft um neues Saatgut und Dünger für das nächste Jahr zu kaufen, der andere Teil wird in das Lagerhaus am Krankenhaus eingelagert, um in Dürrezeiten an die Bevölkerung ausgegeben werden zu können.

Abb.:Die vier Landwirtschafts-berater Gratiano, Steven, Albert und ... betreuen die Beneficiaries des Abwenzi-Projektes. Mit Fahrrädern als Tranportmittel erreichen sie selbst die Bewohner in den entlegensten und unzugänglichsten Gegenden. Die Fahrt dauert aber oft so lange, daß manchmal pro Tag nicht mehr als zwei bis drei Beneficiaries besucht werden können.

Es ist wichtig, einen Teil der Ernte zurückzuverlangen, damit die Beneficiaries Anstrengungen zeigen die Felder zu bewirtschaften, um selbsständig für Nahrung zu sorgen und zusätzlichen Gewinn zu erzielen. Sie sollen unter den günstigen Rahmenbedingungen die ihnen die Krankenhausleitung im Gegensatz zur freien Wirtschaft gibt, lernen, ökonomisch zu wirtschaften. Damit möchte das Krankenhaus den Weg der "Hilfe zur Selbsthilfe" einschlagen. Begleitend zur Ausgabe von Saatgut und Dünger wurden am Rande einiger Dörfer bereits Wasserpumpen gebaut, damit in der Trockenzeit die Felder in den Dabos bewässert werden können.

Abb.: Dieses Photo zeigt ein ungedüngtes Feld (vorne) und ein mit Mineraldünger gedüngtes Feld eines Abwenzi-Beneficiary (hinten links). Der Besitzer des ungedüngten Feldes wird keinen Ertrag erzielen udn somit weder Mais zum Essen noch Saatgut für das kommende Jahr haben werden.

Im Frühjahr 2004 wurde das Projekt neu überdacht und weiterentwickelt: Beneficiaries, welche ihre Felder gut bestellt und sich sorgfältig um sie gekümmert haben, indem sie regelmäßig Unkraut entfernten, sollen für ihre höheren Ernten mit Saat und Pflanzgut von Früchte tragenden Bäumen wie dem Mandarinenbaum und der Papaya sowie mit Ziegen belohnt werden und damit einen Anreiz zu weiterer Antrengung erhalten. Auch sollen ausführlichere Aufzeichnungen über die einzelnene Felder der Beneficiaries gemacht werden, um den tatsächlichen Ertrag besser bestimmen zu können. Das Projekt ist noch sehr jung, und es besteht weiterhin Verbesserungsbedarf. Im Mais gibt es nach wie vor Ausfälle durch Schadinsekten wie Termiten und Maiszünsler, und die Bohnen geben nicht den optimalen Ertrag, wenn sie zur Blüte von Trockenheit betroffen waren. Es soll außerdem ein einheimischer Agraringenieur eingestellt werden, welcher anstelle der Ärztin Maria-Josè das Projekt leiten kann.

Field Projekt von Concern Worldwide

Als ein von Experten aufgebautes Projekt, ist das Landwirtschaftsprojekt von Concern Worldwide ausgereifter als das vom Krankenhaus geleitete Abwenzi-Projekt. Das Projekt baut auf einer viel komplexeren Struktur auf und umfaßt eine viel größere Fläche. Die unterstützte Region wird in drei Zonen unterteilt: die "northern zone" (die Gegend um die Stadt Kasungu im Norden von Kapiri ), die "central zone" (zentral bei der Stadt Mchinji gelegen) und die "southern zone" (das südliche Gebiet um Mchinji. Diese Zonen sind wiederum in Cluster (Teilregionen) unterteilt: die nördliche Zone in 5 Cluster, die zentrale und südliche in jeweils 11. In jedem dieser Teilregionen befindet sich eine bestimmte Anzahl an sogenannten "Clubs", die der Anzahl an Dörfern entspricht. Vier Dorfbewohner, die von der gesamten Dorfgemeinschaft ausgesucht worden sind, stellen auf freiwilliger Basis eine Art Gremium dar, welches sich um die Nahrungssicherung in dem jeweiligen Dorf kümmert. Das Gremium setzt sich zusamen aus einem Vorsitzenden, einem Schriftführer und zwei Dorfbewohnern, die ein Amt innehaben, elches mit einem Landwirtschaftsberater vergleichbar ist: Einer kümmert sich um den Bereich der Tier-, der andere um den der Pflanzenproduktion. Ein wichtiges Merkaml einer jeden Teilregion ist, daß ein Dorf eine Beispielsfunktion für die anderen Dörfer einnimmt. Ihre beiden Beauftragten in der Tier- udn Pflanzenproduktion werden direkt von den drei einheimischen Agraringenieuren, welche bei Concern Worldwide angestellt sind, unterrichtet und geben ihr Wissen in den wöchentlichen Versammlungen mit den anderen Dörfern weiter. Die Vertreter der Teilregionen treffen sich monatlich, um sich in ihren Erfahrungen auszutauschen.

Wie beim Abwenzi-Projekt liegt der Schwerpunkt in der Nahrungssicherung. Diese wird erreicht durch folgende Maßnahmen:

  • Vielfalt der Feldfüchte (Corp diversification)
    Mais und Tabak sind die Hauptfeldfrüchte malawischer Bauern. Mit dieser Konzentration auf lediglich zwei Feldfrüchte haben sich die Bauern massive Probleme eingehandelt: der erhöhte Druck von Krankheitserregern und Schadinsekten, wie er auch in den Monokulturen der Industrieländer zu finden ist; das erhöhte Risiko eines Totalausfalls der Ernte und jeglicher Nahrung, wenn die Witterungsbedingungen für den Mais ungünstig sind; die unzureichende Versorgung mit Eiweiß allein durch Nsima von der vor allem Kinder betroffen sind. Um dem vorzubeugen werden die in der Landwirtschaft arbeitende Bevölkerung animiert viele verschiedene Feldfrüchte anzubauen: Erdnüsse, Buschbohnen, Süßkartoffeln, Kartoffeln, Cassava, Sojabohnen, Tomaten und andere. Dadurch erhöht sich die räumliche Entfernung der jeweils mit der gleichen Frucht bebauten Felder und somit wird Krankheitserregern und Schadinsekten die Verbreitung erschwert. Da jede Kulturpflanze unterschiedliche Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit und im Verlauf ihres Wachstums an die Witterungsbedingungen hat, ist für jeden Ernteausfall einer Frucht, die Absicherung mit anderen Feldfrüchten gegeben. Schließlich wird die einseitige Versorgung an Mineralstoffen, Vitaminen, Eiweißen und Fetten durch Mais mit anderen Feldfrüchten ergänzt.
Abb.: Malawi ist sich durchaus der Proble-matik der einseitigen Ernährung mit Mais-brei bewußt und in einem Artikel in der "Nation" vom 14. April 2004 fragt man sich besorgt: "Ist Nsima die einzige Nahrung?"
Abb.: Auf diesem Feld wurde eine Leguminose gesät. Sie wird noch grün in den Boden eingearbeitet und dort von Mikroorganismen zersetzt. Dabei wird der gebundene Stickstoff für nachfolgende Früchte frei. Diese benötigen dann weniger oder gar keinen Mineraldünger.
  • Fruchtfolge (Rotation)
    Mit der Erhöhung der Anzahl an Feldfrüchten, die angebaut werden geht automatisch eine zeitliche Fruchtfolge einher. Die Landwirtschaftsberater unterrichten die Bevölkerung in den Vorteilen einer zeitlich und räumlich gut durchdachten Fruchtfolge. Wieder wird der Befall mit Krankheitserregern und Schadinsekten gemindert und die Kulturen ergänzen sich gegenseitig in ihren Ansprüchen an den Boden- und Wasserhaushalt. Wesentliches Element einer Fruchtfolge ist das säen und einarbeiten von Leguminosen, eine Pflanzenfamilie, welche mit Hilfe von Bodenbakterien das wichtigste Nährelement Stickstoff au der Luft aufnehmen können. Diese Möglichkeit ist anderen Pflanzen verwehrt udn sie müssen gedüngt werden, wenn ein ausreichender Ertrag erzielt werden soll. Dafür haben die Landwirtschaftsberater direkt neben dem VErwaltungsgebäude von Concern Worldwide für diese Region, welches sich in Nthema befindet ein Versuchsfeld angelegt, auf welchem verschiedene Leguminosenarten auf ihre Eigenschaften getestet und den Bauern gezeigt werden können.
  • Mischanbau (Intercropping)
    Unter Mischanbau versteht man den zeitgleichen oder zeitlich leicht versetzen Anbau zweier Feldfrüchte auf dem gleichen Feld. Die Vorteile liegen zum einen in der besseren Ausnutzung natürlicher Resourcen wie Wasser und Sonnenlicht, da die Pflanzen verschiedene Ansprüche oder verschiedene morphologische Eigenschaften besitzen, zum anderen aber vor allem in der Unterdrückung von Unkräutern. So werden bei Kapiri zum Beispiel folgende Form von Mischanbau betrieben: Leguminosen zwischen Mais zur Unterdrückung des Unkrautes "witch-weed", damit die Leguminosen Stickstoff in Boden anreichern, der auch vom Mais genutzt werden kann und damit die Ersosion des Bodens minimiert wird. Eine weitere Möglichkeit des Mischanbaus bietet die Kombination von Bäumen und krautigen Pflanzen wie sie im Absatz zur Agroforstwirtschaft genauer beschrieben wird.
Abb.: Ein